Grad sind die Roten geboten …

Kategorien HEIMATRUHE

…in einer Foto-Produktion für „Meine Gute Landküche“, Burda, über Fränkische Apfel-Aktivitäten, also überhaupt Obst, denn wir essen hier hier ja nicht nur Äpfel. Auf der Streuobst-Wiese des Klosters Banz, hoch über Bad Staffelstein thronend, bricht

am 22. Oktober 2017 um 13.00Uhr

alljährlich das Selbstpflücken aus. Hier stehen viele Bäume mit alten Apfelsorten, Birnen, Zwetschen, Mirabellen, Kirschen, Walnüssen, Quitten, Mispeln und sogar Speierling. Gehütet und betreut von Michael Stromer, der als Kreisfachberater, bzw. Geschäftsführer des Lichtenfelser Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, vor Ort das Startzeichen dazu gibt.

Jeder darf dann nach Lust und Laune die Sorten probieren, seine Obstpflücker schwingen und Körbe füllen. Am Tor wird abgewogen und dafür etwas Geld eingesammelt.

Und wenn man sich jetzt mal ein wenig Mühe gibt, nicht auf dieses zierliche Kloster zu schauen, sondern zu seinen Füssen, kann man gut die Obstbäume erkennen.

Also, AUSRÜCKEN ist am 3. 10. 17 angesagt, ob als Feriengast, Einheimischer oder Zugezogener, mehr Heimatboden kann man gar nicht bieten! Und so sieht die Ruhe vor dem Sturm aus:


Wers ganzheitlich liebt, lässt sich wandernd zum Klosterberg führen. Prof.Dr.Günter Dippold füllt, dort angekommen, was man vom Kloster sieht mit kulturellem Inhalt . Auf der Streuobstwiese tut dies Michael Stromer und das Leibliche versorgt Adelgunde Gagel mit einem Picknick.

Termin folgt hier noch.

In Bad Staffelstein-Hausen wird gestartet. Details www.vhs-lif.de, Programm Genussregion.

Hier noch andere, bunte Rote, aus der Obermain-Gegend:

Tomatensorten in Emaille Schalen, beschriftet,

und die mit dem roten Hut hat in der rechten Hand „Die mit dem roten Schal“. Helga Dressel, die „Oberfrängische Domadenfraa“, hält rechts „Kazhak Schalavije“, der deutsche Name ist vermutlich aus dem Russischen übersetzt, denn diese Tomate hat ihre Heimat in Kasachstan.

Eine von 22o Sorten, die sich im Dresselschen Garten tummeln, dort vereint von Helgas Leidenschaft für den Paradiesapfel. In ihren Schulferien, wenn die Schulkameraden, alle von den Eltern an die Adria oder in sonstige heisse Gefilde exportiert, sich mit entsprechendem Eisgeschlecker abkühlten, pisakte sie Ihre Eltern auf Märkte und bettelte um Tomaten.

Das war weitsichtig: Ihr heutiger Luxus kommt direkt vom Strauch: die Früchtchen frisch vom Strauch zupfen, hineinbeissen und das Kopfkino starten, mit dem Markt in St. Remo, Rimini am Strand, etc. Für alle Fälle hütet sie ihre „Reisetomaten“, die wir links sehen. Man kann die Trauben am Strauch belassen und pflückt nur, was man als Wanderproviant einpacken will. Der Rest wächst weiter für‘s nächste Mal. 

Wer die Leidenschaft teilt und weiter ausarten lassen möchte, kann nächstes Jahr von Juli bis September eine Gartenführung bei ihr einplanen über schoenthalgarten@web.de oder sie anrufen 09571-71783. Und wems zu weit o.ä. ist, zügelt seine Ungeduld bis zur Reportage und Helgas ungewöhnlichen und genial leckeren Tomatenrezepte Rezepten in „Meine Gute Landküche“ Burda.

Zum nächsten Roten, welches im Hohenlohischen auf Betreiben des Hädecke Verlages schon seit Januar sein Unwesen treibt. Natürlich noch im Geheimen, natürlich ein Buch und hier ein paar Eindrücke unseres Tuns, fotografiert von Julia Graff.

Warten auf den Koch mit zauberhafter Keramik von Nathalie Lautenbacher,Finnland
und da kommt er ja schon

 

Bleiben wir in der Natur und wechseln zum Grünen, in meinen Garten, in dem mich besonders erfreut, dass sich tatsächlich Kleinvieh herumtreibt. Zum Beispiel das Landkärtchen

und das Grüne Heupferd.

und leider NICHT in meinem, sondern im nach historischem Vorbild angelegten Garten der frisch renovierten und wiedereröffneten CADOLZBURG www.burg-cadolzburg.de in Mittelfranken, summts und brummts fachgerecht in historischen Bienenstöcken auf der Zeidl-Wiese dass es eine Lust ist…

Bienestoecke Cadolzburg

Die Bienen lieferten Wachs und Honig, ehemalig bevorzugtes Süssungsmittel bei Hofe.

ANDREAS KLUMPP, M.A.Scientific Research, Transmition of Knowledge, Experimental Archaeology, erforscht in seinem Dissertationsprojekt / PhD Project historische Kochbücher.  Er bietet Kochvorführungen in der Cadolzburg an. culina-historica.blogspot.com

Und hat uns seine Übersetzung eines besonderen Gerichtes verraten. Am Rezept „HÖFISCHE ERBSEN“ kann man gut die mittelalterliche Gestaltungsfreude und die beliebten Überraschungseffekte verstehen. Es wird ein Erbsenpüree in Regenwurmform angerichtet und mit einer Wein-Honigsoße übergossen, damit sie glänzen, als ob sie gerade frisch aus der Erde kämen. Sie sollen etwas abtrocknen, abkühlen und verblüffen dann mit der heissen, süssen Sauce.

Schmeckt mittelalterlich, würd ich mal sagen, seehr ungewöhlich! Sieht fast ein bisschen so aus, aber hat dann doch nix mit Speise-Insekten gemein, die langsam in Mode kommen.

Rezept A Klumpp, Hoefische Erbsen

80-150g/Person TK-Erbsen, Frischerbsen, getrocknete Erbsen (Einweichgewicht), Wasser. Salz, Weißwein, Honig, Zucker

Die TK- oder Frischerbsen in gesalzenem Wasser weich kochen, Dann die Brühe abgießen und nach Belieben für andere Gerichte verwenden. Die Erbsen enthäuten und in einer flachen Schüssel mit einem großen Löffel so fein wie möglich zerdrücken. Nochmals abschmecken und prüfen, dass die Erbsen nicht versalzen sind.  Man sollte darauf achten, dass die Masse nicht zu feucht wird.

Mit der Hand oder der Passierkeule das Erbsenmus durch ein hoch über eine Schüssel gehaltenes Sieb mit großen Löchern (z.B. ein Emailsieb) drücken. Es kann auch eine Spätzle-/Kartoffelpresse verwendet werden. Darauf achten, dass die entstehenden Würmchen nicht zerbrechen und nicht über den Rand hängen.

Ungefähr halb so viel Honig wie Weißwein in einer Pfanne aufkochen und zu einem leichten Sirup einkochen. Honig-Weinmischung nach Belieben über die Erbsen geben. Ist sie zu dünn, versickert sie einfach in derMasse, hat das Sirup die richtige Konsistenz, bildet sich ein glänzender Film ähnlich wie bei Regenwürmern. Alternativ kann man den gekochten Honigwein auch in hübschen Gefäßchen neben den Erbsenwürmchen anrichten, so dass jeder Gast sich seine Portion selbst würzen kann, wie er möchte. Gleiches gilt für das Bestreuen mit Zucker, der nicht in allen Quellen, die das Rezept enthalten, verwendet wird, aber den Effekt von Regenwürmern, die durch Sand gekrochen sind, erhöht. (Hier auch Hagelzucker.)

Da das Erbsenmus kurz stehen gelassen werden soll, ist es wahrscheinlich kalt. Schüttet man den noch warmen Honigwein darüber, ergibt sich ein sehr angenehmer Kalt-Warm-Kontrast.

Küchenanbau, Ochsenschlot

 

Die 1157 erstmals urkundlich erwähnte Cadolzburg hat eine ungewöhnlich gute Quellenlage, so dass man heute vor Ort in den Resten (auch schon gross!) der neu so wohlgestalteten ehemaligen Küche lebendig nachvollziehen kann, was da los war. Der überwältigende Riesenschornstein ist der Ochsenschlot, ein Ochs am Stück wurde hierunter gegrillt. An der Herrentafel wurde 2x am Tag pro Person insgesamt 650gr Fleisch oder 500gr Fisch gegessen, wenig Gemüse. Da musste gesotten und gebraten werden, dass es nur so krachte. Bier gabs keins auf der Burg, Knechte und Ritter durften Wein trinken, die Herren bevorzugten eher den importierten Malvasier, einen Südwein. Alle, die nicht an diese Tafel gehörten, wurden durch die streng überwachte Essensausgabe verköstigt. Die erfolgte durch das links sichtbare Fenster, unten von innen sichtbar, es hiess, sich brav anstellen und die Kellner achteten darauf, wer wieviel wovon bekam.

 

Küchenfester- Ausgabenkontrolle und Seminar/Workshop-Raum

Gemüse kam zum Teil aus dem burgeigenen Garten. Toll zu erkunden sind die Gartenpflanzen des Mittelalters und der Renaissance im neu angelegten Muster-Burg-garten. Hier ist vieles an Getreide und Gemüsepflanzen zu finden, was heute noch oder wieder in aller Munde ist. Und überhaupt ist der Garten sehr zum Wohlgefallen!

Rotkohl und Butterkohl im Burggarten vor der Burg

 

Emmer (Tricicum dicoccon)
                             Im mittelalterlichen Lustgarten,
mittelalterlicher Garten zum Lustwandeln

den ich mir vollkommen anders vorgestellt hatte, wenn überhaupt, mangels Kenntnis, stehen Tische und Bänke an denen lustvolles Picknicken erlaubt ist. Er war den Damen der Burg vorbehalten, damit die überhaupt mal an der frischen Luft wandeln konnten. Sie konnten dort kein Picknick veranstalten und sich dort immer nur kurz aufhalten, der Garten lag ausserhalb der eigentlichen, sicheren Burgmauern, so dass sie dort zu gefährdet waren.

Ohne Gefährdung für uns sorgt inzwischen der Herbst dafür, dass die Frischluftsaison naturgegeben kürzer wird. Er lässt grüssen, mit den Gelben:

Auch der Herbst hat seine Sonnentage, versuchen wir, uns nicht zu erkälten, so dass wir, nicht wie Palmström, der sich bekanntlich darüber hinwegsetzt, erst gar keine Taschentücher benötigen!

Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen –
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er ungeschneuzt entschreitet.

Christian Morgenstern

Für heute mit fränkischen Grüssen